Die Ewigkeit und die Zeit

„In der Ausrichtung auf Gottes Ewigkeit muss die Zerrissenheit des menschlichen Daseins in der Zeit überwunden werden.“, so Augustinus und setzt der Ewigkeit das negative Gegenstück Zeit entgegen.

In bezug auf die Zeituntersuchung dient sie Augustinus als Maßstab, an der sich die Zeit messen soll. Wobei hier unter Maßstab die Norm verstanden werden muss, mit der die Zeit beurteilt wird. Die Ewigkeit als ideale Norm, ausgedrückt in ihrer Vollkommenheit, der die Zeit in ihrer Unvollkommenheit, ausgedrückt in ihren flüchtigen Momenten, als das Übel gegenübersteht, welches überwunden werden soll.

Augustinus Ewigkeit kann nur im Zusammenhang mit der Zeit verstanden werden. Aber für Augustinus ist die Zeit nicht ein unvollkommenes Abbild der Ewigkeit. Die Ewigkeit ist also nicht Zeit ohne den spezifischen Zeitcharakteren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zeit ohne Veränderung entspricht nicht der vollkommenen Ewigkeit. Die immerstehende Ewigkeit und die niemals stillstehende Zeit sind „unvergleichlich“. „Die Ewigkeit ist die Daseinsform Gottes, die Zeit ist die Daseinsform des Menschen.“

Augustinus benutzt zwar für die Ewigkeit den Zeitbegriff gegenwärtig, aber die Gegenwarts-Zeit ist niemals ganz gegenwärtig ist, sondern einzig und allein in der Ewigkeit ist alles gegenwärtig. Es gibt keine Zeit, „die in ihrer Ganzheit als nur gegenwärtig ohne Übergang in das Nicht-mehr wäre.“ Durch die Dreiteilung der Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, unterscheidet er die Ewigkeit, in der alles in Gänze gegenwärtig ist. Hier in der Ewigkeit stehen alle Zeitstufen still. Die Ewigkeit ist das Fehlen jeglicher Sukzession. Im Gegensatz zur Ewigkeit ist die Grundeigenschaft der Zeit das Nacheinander. Damit Zeit Zeit sein kann, muss sie sich verändern.

Die Ewigkeit ist vollkommen. In der Ewigkeit gibt es keine Zu- oder Abnahme. Aus diesem Grund kann die Zeit in der Ewigkeit nicht existieren, da Zeit immer eine Abfolge von Ereignissen ist, in der die Ereignisse der Zukunft abnehmen, weil sie sich zur Vergangenheit hin bewegen und somit die Ereignisse der Vergangenheit vermehren. Wegen diesem Fehlen an Sukzession würde die Zeit in der Ewigkeit stillstehen und könnte von daher laut Definition nicht mehr Zeit genannt werden. Auch kann die Ewigkeit nicht mit dem Unendlichen gleich gesetzt werden, nicht als Vorbild einer ‚langen Zeit’ gedacht werden, so, als ob eine lange Zeit ein Stück Ewigkeit wäre. In der Unendlichkeit gibt es Veränderung und auch Zeit. Unendlich können die Jetztpunkte der Gegenwart vom Noch-Nicht-Sein zum Sein zum Nicht-Mehr-Sein wechseln. Der Ewigkeit wären sie damit aber noch lange nicht gleich zusetzen. Auch besitzt die Zeit nach Augustinus einen Anfang und ein. Der Anfang der Zeit ist die Schöpfung, wie sie in der Genesis beschrieben wird, und das Ende ist das Weltgericht am jüngsten Tag. Die Ewigkeit ist im Gegensatz dazu keine endliche Folge, sondern sie ist überhaupt keine Folge, weder endlos noch endlich.