Die Bekenntnisse des Augustinus

Platon, Aristoteles, Plotin wichtige Denker der Antike haben sich bereits früh Gedanken über die Zeit gemacht. Als Abbild der Ewigkeit beschreibt Platon in seinem kosmologischen Werk Timaios die Zeit; Aristoteles in seinem naturwissenschaftlichen Werk Physik den kontinuierlichen Charakter der Zeit und ihren Zusammenhang mit der Bewegung und Plotin entwickelte in seiner Schrift Enneaden die Vorstellung, dass die Zeit nur von der Ewigkeit erklärbar sei.

Augustinus, einer der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter fügt sich mit seiner Zeituntersuchung in die Reihe großer antiker Philosophen ein. In seinen Bekenntnissen geht er aber nicht auf seine Vorgänger ein, mit denen es durchaus Übereinstimmungen gibt. Sie finden sich in den Gedanken Zeit als Bewegung aufzufassen, aber Bewegungen nicht Zeit zu nennen. Unterschiedliche Auffassungen finden sich in der Vorstellung, dass die  Zeit von der Seele abhängig ist oder Plotins Überlegung, Zeit als Bild der Ewigkeit aufzufassen.

Platons, Aristoteles und Plotins Gedanken über die Zeit sind in ihren jeweils naturwissenschaftlichen Schriften festgehalten. Ganz anders erscheint nun Augustinus Beschäftigung mit der Zeit in seinem Werk Confessiones, denn hier hat Augustinus kein naturwissenschaftliches Werk verfasst, sondern es ist das Bekenntnis Augustinus zu seinem Christen-Gott. Die Schrift ist ein Hymnus an die Barmherzigkeit und die Güte seines Gottes, es ist geradezu ein bekennendes Reden vor Gott, zu Gott und mit Gott.  An die Gnade Gottes richtet sich denn auch Augustinus öffentliche Beichte seines Lebens mit all seinen Verfehlungen, Sünden, Abirrungen und Verbrechen. Durch seine Selbstbezichtigung und Selbstanklage meinte Augustinus die Erlösung durch Gott zu erreichen. Dieses Ziel war seiner Meinung nach, nur in Demut vor Gott und durch die Gnade Gottes zu erreichen.

Eine Vorstellung, die den antiken Philosophen fremd war. Daher tadelt Augustinus z.B. Platons Stolz auf dessen gefundene Wahrheit und die Idee des Guten, denn das mangelnde Eingeständnis in eigene Verfehlungen wären es gewesen, die Platon hinderten das eigentliche Ziel, nämlich an der Weisheit Gottes teilzuhaben, zu erreichen.

Augustinus geht es demzufolge mit seinen Bekenntnissen nicht um die Erstellung seiner Autobiografie, obwohl er markante Punkte seines Lebens anspricht. So nennt er seine anfängliche Distanziertheit zur christlichen Kirche und den Einfluss der Manichäer auf sein Denken und schlussendlich seine Hingabe zur katholischen Kirche. Die biografischen Angaben enden dann mit dem Tod seiner Mutter. Auch stehen bei den Schilderungen nicht die berichteten Ereignisse im Vordergrund, sondern Augustinus Reflextionen und Interpretationen zu diesen Ereignissen.

Das Hauptanliegen Augustinus ist es, eine Gnadenlehre, in der nicht mehr das Wissen, sondern alleine  die Gnade Gottes selbst den völlig Unwissenden erlösen kann, aufzuzeigen. Nur so kann die Rückkehr der Seele zu ihrem Ursprung gelingen.

Augustinus teilte seine Confessiones in dreizehn Büchern ein, die in drei Gruppen zusammengefasst werden können. Die Bücher eins bis neun stellen den Rückblick auf Augustinus Leben da; das Buch zehn beschreibt die Gegenwart in einer Bestandsaufnahme seines Bewusstseins; die letzten drei Bücher elf bis dreizehn behandeln philosophisch die Zeit und die Genesis.

Während im Buch XI Augustinus die Zerrissenheit des Menschen in der Zeit aufzeigt, weist das XII. Buch das Ziel als Ort des caelum caeli aus dieser Zerrissenheit auf, um dann im letzten Buch die Ruhe als Zielpunkt der Heimkehr zu Gott zu zeigen. Hierfür benötigt Augustinus die Erklärung der Zeit, der Ewigkeit und des caelum caeli.